Herausforderungen annehmen

Presse

Grundschüler düsen ins Weltall

Bundeskunstpreisträgerin „Franzi“ verbindet Erwachsene aus der Behindertenhilfe der Zieglerschen in Wilhelmsdorf und Häfler Grundschüler

26 Grundschul-Astronauten der Klasse 2c der Schreienesch-Schule in Friedrichshafen haben im Rahmen einer Kunstwoche neue Welten im selbst kreierten Weltall entdeckt. Was als Kunstprojekt ausgeschrieben war, entstand durch eine galaktische Ereigniskette, begonnen mit einem Bundeskunstpreis für Menschen mit Behinderungen.

Astronautin Semiha sitzt in einem weißen Vlies-Schutzanzug auf dem Boden und zerknüllt Packpapier: „Das wird der Kopf eines Astronauten“, erklärt die junge Künstlerin, neben der schon eine große Pappmaché-Puppe liegt. Weitere 25 Grundschüler wuseln abwechselnd durch den Kunstraum der Hauptschule und pinseln eifrig Raketen und Astronauten auf Papier. Mittendrin stehen zwei erwachsene Frauen an einem Tisch und malen mit bedächtigen Zügen, ab und zu gestikulieren die beiden mit den Kindern: Franziska Fiedler und Ruth Link, beide Bewohnerinnen der Behindertenhilfe der Zieglerschen und Künstlerinnen der dortigen Malwerkstatt, sind zu Besuch bei den Häfler Grundschülern.

„Reise ins All“ nennt sich die Kunstwoche der Klasse 2c, ausgetüftelt von Silke Leopold, der Leiterin der Malwerkstatt der Behindertenhilfe der Zieglerschen, einer Einrichtung für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung, und Klassenlehrerin Ramona Scholl. Die Verantwortliche für dieses außerirdische Projekt thront hoch oben auf einem Schrank des Kunstraums und schaut dem bunten Treiben gelassen zu: „Franzi“, eine bunte Skulptur, geschaffen von Franziska Fiedler, die dafür im Mai 2009 den Bundeskunstpreis für Menschen mit Behinderungen abräumte und heute mit den Kindern malt.

Vor Weihnachten hatten die Grundschüler „Franzi“ bei einer Verlosung der Schwäbischen Zeitung gewonnen, zuvor präsentierte sich die Skulptur auf dem Stand des Förderkreises Behindertenhilfe der Zieglerschen beim Weihnachtsmarkt in Friedrichshafen. „Kunst ist die Brücke zu sich selbst und zum Anderen“, sagt Silke Leopold, die gleich nach der Verlosung Kontakt zu Ramona Scholl aufgenommen hatte. Schnell entstand die Idee, Kunst und das Thema Behinderung in die Klasse zu tragen und Grundschüler und Malwerkstatt durch dieses Projekt zu vermischen. „Wir machen hier Aktionskunst“, sagt Silke Leopold, „auch der Schwächste soll erleben, dass er so sein darf, wie er ist“.

„Die erste Begegnung zwischen meinen Schülern und unseren beiden Besucherinnen aus der Behindertenhilfe der Zieglerschen war gigantisch“, sagt Ramona Scholl. Mit einem speziellen Weltraumlied lernten die Schüler wesentliche Gebärden, um sich mit den beiden Frauen unterhalten zu können. Der integrative Charakter war es denn auch, der den Förderkreis Behindertenhilfe veranlasste, das Projekt mit zu finanzieren. Außerdem ermöglichten die Behindertenhilfe der Zieglerschen, die Schreienesch-Schule, der Förderverein der Schule und die Schüler mit Materialkostenbeiträgen die „Reise ins All“.

Text + Foto: Katharina Stohr

BU: Kunst und geistige Behinderung vermischen sich mit Schule: Franziska Fiedler (Mitte) und Ruth Link (rechts) von der Malwerkstatt der Behindertenhilfe der Zieglerschen malen zusammen mit Grundschülern der Schreienesch-Schule, hier auf dem Bild Sevinc (links).
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Ina Ströbele (li) und die Teilnehmerinnen am Seminar

Mütterverwöhnwochenende wieder ein voller Erfolg

Wie jedes Jahr, hat der Beirat der Angehörigen und Betreuer der Zieglerschen Behindertenhilfe in Wilhelmsdorf im Feriendorf Langenargen wieder ein „Mütterverwöhnwochenende“ unter der Leitung von Ina Ströbele und ihrem Team durchgeführt.

Ströbele engagiert sich seit vielen Jahren in der Angehörigenarbeit der Zieglerschen Behindertenhilfe und seit 2009 auch als Sprecherin in der Angehörigenarbeit des Bundesverbandes evangelischer Behindertenhilfe. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Müttern, aber auch den erwachsenen Geschwistern behinderter Menschen. Für diesen Personenkreis bietet sie gezielt Seminare an, um so die Möglichkeit zu bieten, sich auszutauschen und auch zu sehen und zu hören, wie andere damit umgehen. Ströbele: „Es wäre schön, wenn derartige Seminare auch bundesweit angeboten werden könnten“.
Aus ganz Baden-Württemberg waren die Mütter behinderter Kinder (aus den unterschiedlichsten Einrichtungen) an den Bodensee gereist, um sich eine Auszeit von ihrem stressigen Alltag zu nehmen. Sie hatten dafür gesorgt, dass ihr behindertes Kind und ihre Familie versorgt waren. Und irgendwie hatten sie das auch alle auf die Reihe bekommen.

An diesem Wochenende hatten die Frauen Zeit und Raum, miteinander zu reden, sich Rat zu holen, zu lesen, zu schlafen, am See spazieren zu gehen, neue Eindrücke zu sammeln oder einfach auch mal allein zu sein. Kulinarisch verwöhnt wurden Sie durch die Köche des Feriendorfs.

Im Programm wechselten sich Besinnliches, Musikalisches, Künstlerisches, Kreatives Gestalten und Bewegungstherapie ab. Nach Ende des offiziellen Teils, war Raum zum geselligen Austausch und zum persönlichen Gespräch.

Als am Sonntagnachmittag die Veranstaltung zu Ende ging, überwog zunächst der Trennungsschmerz. Umso erstaunlicher waren sie Rückmeldungen aus dem Alltag der Frauen nach dem Wochenende. Eine Mutter schrieb „Das Wochenende hat mir neuen Schwung gegeben“, eine andere „Mir hat das Wochenende in Langenargen unglaublich gut getan, ich habe mich hinterher wie ausgewechselt gefühlt“.

Die Teilnehmerinnen haben sich inzwischen zu einem richtigen Netzwerk formiert: sie rufen sich an, schicken sich Emails, schreiben sich Briefe oder besuchen sich. Sie wissen um einander, um ihre Probleme und Nöte, aber auch um ihre Freuden.

Zur Förderung des Kontakts untereinander treffen sich die Teilnehmerinnen am 16.03.2010 zu einem „Frühstück“ im Schloss Montfort in Langenargen. Diesen Termin will keine der Frauen verpassen. Alle freuen sich auf ihr „Frühstück“ und ihr nächstes „Mütterverwöhnwochenende“, das vom 12. bis 14.11.10 wieder in Langenargen stattfinden wird. Die Teilnehmerzahl ist wieder auf max. 18 begrenzt.

Neu ist, dass die Zieglersche Behindertenhilfe parallel zum Mütterverwöhnwochende 2010 zur Entlastung der Familien ein Freizeitangebot für die Kinder anbietet, damit die Mütter ungestresst ins Wochenende gehen können. Ina Ströbele (li) und die Teilnehmerinnen am Seminar

Anfragen richten Sie bitte an:
Ina Ströbele, Weidenring 8, 88046 Friedrichshafen, Email: ina@stroebele.org


nach oben

.

 

Bürgeraktions-Bündnis spendet 500 Euro


Spende des Bürger-Aktionsbündnisses soll Menschen mit Behinderung helfen: Sven Lange, fachlicher Geschäftsführer Behindertenhilfe; Erika Bolz, Bürger-Aktionsbündnis Umweltschutz Überlingen e.V. (bab), Walter Ströbele, Vorsitzender Förderkreis Behindertenhilfe, Paul Heinzler, bab (v.l.n.r.)

www.bab-überlingen.de

„Franzi“ von Franziska Fiedler – Bundeskunstpreis